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13. Februar 2013
„Wir wissen, was unsere Tänzer können“

„Wir wissen, was unsere Tänzer können“

Schön anzusehen: Die Formation aus Fischbach und Hofheim gefiel, konnte aber den Wertungskriterien nicht vollends gerecht werden. Foto: Lorenz

Schön anzusehen: Die Formation aus Fischbach und Hofheim gefiel, konnte aber den Wertungskriterien nicht vollends gerecht werden. Foto: Lorenz

Die Formationsgemeinschaft TSC Fischbach/Metropol Hofheim ist gleich als erstes Team in der Vorrunde dran, aus den mit 300 Zuschauern besetzten Rängen kamen immer wieder laute Anfeuerungsrufe. Die Choreographie zur Musik von Christina Aguilera, von Weltmeistertrainer Roberto Albanese (bekannt aus der RTL-Tanzshow „Let‘s dance“) eigens für die Formationsgemeinschaft aus dem Main-Taunus-Kreis entwickelt, ist schön anzusehen und stimmig. Viel Applaus ist der Lohn. Seit Monaten arbeiten die Tänzerinnen und Tänzer zwischen 17 und 32 Jahren nach Rang vier in der vergangenen Saison ambitioniert an ihrer Choreographie zur Musik der Weltmeisterformation von Bremerhaven 2008. Ihr Ziel: der Aufstieg in die Zweite Bundesliga.

Schon beim Auslauf der Formation ist den drei Trainern der heimischen Formation allerdings die Unzufriedenheit anzusehen. „Vornehm ausgedrückt: Es gibt noch deutliches Verbesserungspotenzial. Es hat an der Exaktheit gemangelt“, sagt Co-Trainer Andreas Fritz und verschwindet im Mannschaftsraum. Für ein Gespräch mit den Sportlern sei keine Zeit, wiegelt er ab, erst müsse das Video angeschaut und ausgiebig besprochen werden. In der zweiten Runde wolle man zeigen, was man wirklich drauf habe. Dort wird noch einmal dieselbe Choreographie mit Elementen von Samba, Cha-Cha, Rumba, Paso Doble und Jive „vertanzt“.

„Die Tänzer haben eine schwache Leistung gezeigt“, betont eine halbe Stunde später nach ausgiebiger Manöverkritik Cheftrainer Sebastian Dombrowsky. „Sie haben nicht das abgeliefert, was sie können. Was sie draufhaben, hat das Abschlusstraining vor dem Turnier gezeigt.“ Beim Auftritt vor heimischem Publikum habe man ihre große Aufregung gespürt. „Es ist das erste Turnier in der Saison. Sie hatten zu hohe Erwartungen, haben einfach zu viel gewollt“, sucht Dombrowsky nach Erklärungen. Nun habe man eine individuelle Fehleranalyse gemacht.

In der Saison 2009/2010 war die Formationsgemeinschaft zum ersten Mal seit ihrem Bestehen (seit 2001) in die Regionalliga Süd Latein aufgestiegen. Ein Aufstieg in die Zweite Bundesliga wäre vergangene Saison fast geglückt. Damit sich die 16 Tänzerinnen und Tänzer nicht von subjektiven Empfindungen leiten lassen, dürfen sie beim eigenen Turnier der Konkurrenz vom TC Der Frankfurter Kreis/TSC Usingen, TSG Blau-Gold Gießen, TSC RW Viernheim, TSG Bietigheim, TSA des TV Coburg-Ketschendorf und der TSA der TG Tuttlingen nicht zusehen. „Wir halten das Team hier eng zusammen“, so Andreas Fritz. Auch die Trainer schauen nicht zu: „Wir wissen, was unsere Mannschaft kann und was sie bringen muss.“ Währenddessen jubeln in der Halle die Zuschauer: Die anderen Teams scheinen sich auf dem Tanzparkett in den zugeteilten sechs Minuten mit Explosivität, originellen Anordnungen und schnellen Wechseln regelrecht zu übertreffen.

Von zu viel Show hält Cheftrainer Dombrowsky allerdings nicht viel. Wichtiger sind ihm Technik und Korrektheit. Was die Richter sehen wollen, sei unterschiedlich. „Der Tanzsport ist ein subjektiver Sport“, sagt er. Damit Technik und Performance gleich berücksichtigt werden können, habe man bei der Formationsgemeinschaft drei Trainer im Einsatz, die unterschiedliche Schwerpunkte haben. Das erste Turnier in der Saison sei immer besonders schwierig, sagt Dombrowsky: „Jedes Jahr sind drei neue Aufsteiger aus den unteren Ligen dabei, die wir nicht kennen, und auch bei den anderen Vereinen gibt es viele Veränderungen.“

Plötzlich kommt Co-Trainer Bastian Haag mit versteinerter Miene, zieht seine Kollegen eilig in den Raum und sagt: „Das Gespräch ist beendet.“ Der Grund: In der Halle waren gerade die sechs Teams bekannt gegeben worden, die in der zweiten Runde vor dem Finale noch einmal tanzen können. Die Formationsgemeinschaft TSC Fischbach/Metropol Hofheim ist als einziges Team nicht dabei.

„Wir sind frustriert und geschockt“, sagt Andreas Fritz später. Das Saisonziel, unter die besten Zwei zu kommen, sei nicht mehr zu erreichen. Gleich am nächsten Tag wolle man aber versuchen, den Schalter umzulegen, um motiviert die weitere Saison zu bestreiten.

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